Texte

Herr Blum kommt daher

Zu meinen Füßen
Picken die Tauben
Im Kot von Kötern
Erbrochenes

Herr Blum kommt daher
Zusammen mit einem lustigen Hut
Er gestikuliert
Er singt ein Lied
Er weiß nicht mehr weiter
Pisst an eine Mauer
Die schaut über ihn hinweg

Besoffener Penner…

Hänger und Laster
Ziehen vorüber
Ziehen Strom aus Laternen
Ich bin froh hier zu wohnen

Ich bin froh

 

Schreit

Ich grüße die Fantasten
Ich grüße die Chaoten
Ich grüße die Spinner
Ich grüße die Idioten
Ich grüße die Aussteiger
Ich grüße die Utopisten
Ich grüße die Verweigerer
Ich grüß’ die Anarchisten
Ich grüße die Künstler, Denker, Poeten
Träumer, Müßiggänger
Ich grüße die Bewegten

Bewegt euch!
Geht los und schreit
Bewegt euch!
Es ist an der Zeit

Ich grüße die Verletzten
Verzweifelten, Entsetzten
Ich grüße die Verrückten, Bedrückten, Beglückten
Verliebten, Verlassenen
Ich grüße die Betrogenen
Die Aufrechten, grüße die Verbogenen
Ich grüße die Geraden
Ich grüße die Verschobenen
Ich grüße die Besessenen
Ich grüße die Vergessenen

Vergesst euch!
Geht los und schreit
Vergesst euch!
Es ist an der Zeit

 

Erste Welt

Einbahnstraße in der ersten Welt
Rückfahrkarte in die zweite Welt
Billig kaufen in der dritten Welt
Geld gezählt
Geld gezählt
Wir bleiben dran

Zivilisation im Fadenkreuz
Einstein Hitler Goethe Freud
Heile Welt ist abgewählt
Ein neuer Held wird aufgestellt

Gehorsam ist Zivilisation
Chaos ist Absolution
Für alles was den Schmerz vertreibt
Ein Pseudorausch ist
Alles was uns bleibt

Wir sind die Pseudogeneration

Pseudoclever
Pseudoschlau
Pseudoerfolgreich
Pseudo
Ob Grün ob Rot ob Schwarz ob Gelb ob Blau

Pseudos regiern die Welt
So lange sie noch hält

Wir sind die Pseudogeneration
Wir sind die nächste Koalition

 

Höhlenmenschen

Höhlenmenschen
Wir sind Höhlenmenschen
Wir leben in Höhlen
Die ganze Stadt ist unterteilt in Höhlen
In denen wir leben

Höhlenuniversen
Die umeinander kreisen
Systeme
In denen wir als Teilchen reisen
Uns ergänzen
Uns verlieren
Uns erreichen
In Gängen, die wir gehen
Die zu Räumen führen
In Räumen, die wir auf auf Schirmen sehen
Sind wir Höhlenmenschen
Die sich bekriegen
Die mit aufgepimpten Superkeulen prügeln

Global vernetzte Wesen

Höhlenmenschen
Im digitalen Leben

Höhlenmenschen
Auf allen Ebenen

Die Steinzeit ist jetzt
Von Atomuhren gemessen
Wir sind keinen Schritt weiter
Alle Tiere wollen fressen

Wir sind Höhlenmenschen

 

Ameisenstaat

Einfältige Heimat

Zu Füßen gelegt
Hab ich dir mein Leben

Kein Wunder
Jetzt liege ich zertreten

Trete zurück
Erst einen Schritt
Den Zweiten, Dritten…

Rückwärts, immer tiefer
Hinein in die Masse
Die mich erschaffen hat
Hinein
In den Ameisenstaat

Kaputt, kaputter Blechsoldat
Ich tanze für den Ameisenstaat

 

Mond

Ein bischen traurig
Ein bischen froh
Weder so
Noch so
Oder so
Das Essen war gut
Ich kipp‘ den Rest ins Klo
Manchmal mag ich dich nicht
Manchmal brauch‘ ich dich so
Ich trinke zu viel
Ich trink nicht genug
Ich will mein Leben vergessen
Das vergeht wie im Flug
Ich will, verdammt, woanders sein
Wo das ist fällt mir gleich wieder ein
Manchmal denk ich mir
Scheiße, ich muß im Lotto gewinnen
Ich muß mich einfach nur
Auf die Zahlen besinnen
All die Namen vergeß‘ ich
Zahlen merk‘ ich mir noch
Ich hab‘ sie geträumt
Ich wußte sie doch
Und wenn ich gewinn‘
Kauf ich mir Land auf dem Mond
Die einzige Reise
Die sich wirklich lohnt für mich mein Schatz
Ist eine Reise zum Mond

Die einzige Reise, die sich lohnt für mich
Ist eine Reise zum Mond
Verstehst du das nicht?

Schieß mich auf den Mond!

 

Box

In einer kleinen Schachtel
Muß ich mich verstecken
Und jemand trägt die Schachtel
In der Tasche durch die ganze Stadt
Wenn er Lust hat
Öffnet er die Schachtel
Aber heimlich
Niemand soll erfahren
Daß er mich in der Schachtel hat

Und dann hole ich ein wenig Luft
Und er gibt mir was zu Essen
Und meine Augen gewöhnen sich an’s Licht
Und ich muß mich sehr beeilen
Lange dauert meine Freiheit nicht

Viel zu schnell ist meine Zeit gekommen
Sein Interesse geht zurück
Er verpackt mich wieder in der Schachtel
Und ich erhole mich von meinem Glück

 

Im Chaos der Tage

Im Chaos der Tage
Liegt die Ordnung der Zeit
In den Wirren der Träume
Die Klarheit

So einfach

Zuerst nahmen wir unsere Augen
Und hielten sie dem Himmel hin
Das war gut, das war unser Traum

Dann nahmen wir unsere Adern
Und flochten das Netz für die Tiere
Das war nötig, wir hatten großes Verlangen

So einfach stiegen wir in den Wagen
Und fuhren fort, den höllischen Frieden
Zu verlassen

 

Regen

Regen, immer nur Regen
Regen, im ganzen Haus
Überall in jedem Zimmer
Vom Keller bis zum Dach
Regen, im ganzen Haus

Draußen scheint die Sonne
Mein Bett treibt in den Gang
Und zurück ins Zimmer
Tagelang gibt es nur
Regen, immer nur Regen
Regen, im ganzen Haus

Irgendwann in nächster Zeit
Kauf ich einen Schirm
Ich bin den Regen leid
Und wenn es später schneit
Vom Keller bis zum Dach
Bau ich mir ein Bett aus Schnee
Schlaf ein und werde nie mehr wach

 

Herz

Warte mein Herz, warte
Wart bis ich bei dir bin
Schlag noch eine Weile
Bis ich mich besinn

Warte mein Herz, warte
Ich fliege hoch über das Haus
Hör nicht auf zu schlagen
Halt noch ein Weilchen aus

Warte mein Herz, warte
Ich komme bald zurück
Ich hab es bald gefunden
Weit fort von hier das Glück

Warte mein Herz, warte
Ich komme wieder heim
Ich  will das Glück nur ganz kurz sehn
Und wieder traurig sein

Bin bald mit dir allein mein Herz
Bist bald mit mir allein
Und alles wird wie vorher sein

Alles wird wie vorher sein

 

Wandern

Von innen kommt das Wort
Und fährt nach außen fort
Zu tönen
Das Innen zu verhöhnen
Mit Pauken und Trompeten
Die Stille abzutöten
In der die Bilder leben
Wo die Worte schweben
Press sie
Stauch sie
Mach sie rund
Dann passen sie in deinen Mund
Spuck sie in die Welt hinaus
Und sie sagen nichts mehr aus

Bisweilen erzeugen sie ein Bild in einem Andern
Auch ungeformt und reich und wild
So können die Gedanken wandern

 

Schock

Das
Das Herz
Das Herz schlägt
Das Herz schlägt schneller
Das Herz schlägt schneller nach
Das Herz schlägt schneller nach und
Das Herz schlägt schneller nach und nach
Das Herz schlägt schneller nach und nach bis
Das Herz schlägt schneller nach und nach bis zum
Das Herz schlägt schneller nach und nach bis zum Herzschlag
bis zum Schock

Alles dreht sich um
Mich herum
Verstummt der betäubende Lärm
In der Stadt
Hält man die Stille nicht aus
Woher will ich wissen ob mein Herz noch schlägt

Stille
Ich sage nichts
Meine Kehle ist wie zugeschnürt
Ich atme kaum
Die Luft ist knapp

Kein Wort fällt
In der Stille
Schreit die Stille
Mich an

Und ich bin Stumm
Und ich bin der Lage nicht Herr

In meinem Kopf
Rasen Gedanken aufeinander zu
Schlagen Worte aufeinander ein

Und ich bin das Zentrum
Der Explosion

Kein Wort fällt
Das Atmen fällt schwer
Die Luft ist dick
Dicke Luft

 

Geritten

Ich verkaufte meine Seele
An den Krämer um die Ecke
Für ein kleines Glück
Das mich schon längst verlassen hat

Ich tauschte meine Kleidung
Gegen Uniformen
Tauchte ein in die Gewöhnlichkeit der Masse
Um mich nicht zu überheben
Trag ich jetzt die Last der Freundlichkeit

Und war geboren einst
Als Mittelpunkt des Universums

Was hat mich geritten?

Ich bin ein Kiesel
Verhöhnt von dummen Felsen
Die die Mutigen besteigen

Irgendjemand hob mich auf
Mich, gefunden unter tausenden von flachen Steinen
Ließ mich übers Wasser springen
Triumphale vier, fünf mal

Schon tauchte ich für immer in das Dunkel

Nun, vom Grunde durch das klare Wasser
Kann ich alles sehen, was wichtig scheint:
Den Himmel über dem Planeten
Der mir das Universum zeigt
Und dessen Mittelpunkt im Grunde
Niemand heißt

Was hat mich geritten?

 

Grüne Brille

Immer wieder kommt das schlechte Gefühl
Oh Gott steh mir bei

Augen offen halten sagt mein Arzt der Rabe
Und schenkt mir seine grüne Brille

Immer wieder seh ich mich am Abgrund stehn
Oh Gott steh mir bei

Abgründe sind überzeugende Gründe
Die sich unter meinen Füßen auftun und ich falle
100%ig
Immer wieder hinein

Ich bilde mir alles nur ein sagt mein Rabe
Fliegt in den Himmel und lässt mich fallen
Oh Gott steh mir bei

Immer wieder nichts
Ich vermute das Schlimmste
Kein Wort ist wahr
Unvorstellbar ist die Wirklichkeit

In den Kulissen
Stehn die Statisten bereit

Ich glaube nichts mehr
Oh Gott steh mir bei

 

Ohne Netz

Auf dem dünnen Seil
Über dem Abgrund
Zwischen zwei Fenstern
Schwankt der Tänzer hin und her

Verliert er die Balance
Fällt er
Und aus dem Schauspiel

Wird ernst
Der Tod

 

Schlamm

Ich schwimme in braunem Wasser
Ich versuche nicht allzu tief
Mit Armen und Beinen in das Wasser zu tauchen
Aber der Schlamm steht so hoch
Dass sich in Folge des Aufwallens
Ein übler Geruch nicht vermeiden lässt

 

Schmetterling

Stirb schnell Schmetterling
Ich hab deine Flügel berührt
Deine schönen
Schönen roten Flügel
Sind schuld

Ich mach dich tot

 

Ego

Mein Ego
Es hatte sich entfernt
Ging auf Reisen
Zog einfach um
Auf einen fernen Stern

Zu Anfang
Hab ich’s nicht bemerkt
Nach Jahren erst
Hat sich mein Herz beschwert:

Ruf, dass ich weiß, wo du bist

Ein Brief
Auf Sternenpapier
Handschriftlich in Rosa
Zeigte es mir

Die Buchstaben
Geheimschreibschrift
Die Sprache erfunden
Dein Ego ruft dich

Da bin ich schnellstens aus dem Haus gerannt
Rief in den Himmel: HIER
Die Leute schauten mich an

Mein Ego
Kam standesgemäß geritten
Auf einem Kometen
Der teilte sich auf seinem Flug

Ein Teil traf mich
Ein Teil traf Dich
Und wir wussten:
Alles wird gut

Ruf, dass ich weiß, wo du bist

 

Meer

Ein Mann saß im Cafe
Vor einer Tasse Kaffee
Er war in Gedanken

Er rührte und rührte
Und rührte sich nicht
Der Zucker war längst aufgelöst
Vor seinen Augen auch das Cafe

Wie Geisterschiffe trieben seine Gedanken
In einem kalt gewordenen Meer
Umher
Und als sie im Grunde versanken
War er leer

Jedermann im Cafe an der Ecke
Machte sich bald bei seinem Kaffe
Gedanken um den Mann in Gedanken

Sie rührten und rührten
Und rührten sich nicht
Der Zucker war längst aufgelöst
Auch der Mann vor ihren Augen

Es verschwand an der Ecke das Cafe
Selbst die Ecke ward nicht mehr gesehn

Mit ihr die Straßen, die Häuser die Stadt
Man in Gedanken verloren hat

Die Erde, der Himmel, die Philosophie
Um die Dinge dazwischen
Es gab sie nie
Im Cafe an der Ecke
Vor aller Augen

Wie Geisterschiffe trieben ihre Gedanken
In einem kalt gewordenen Meer
Umher
Und als sie im Grunde versanken
War nur noch Meer

 

Nebel

In meinem Kopf
In dem sich alles in Undeutlichkeit verliert

Nebel

Der die Erinnerung verdeckt
Und uns ins Hier und Jetzt versetzt

Nebel

Der die Signale schluckt
Uns isoliert
Uns irren läßt

Nebel

Der uns befreit

Wir stehn im Nebel
In meinem Kopf

Vollkommen
In Undeutlichkeit

Vollkommen deutlich
Seh ich Dich vor mir

Das kann doch keine Täuschung sein